WILDTIERE IM REVIER
Das Revier Kienberg umfasst eine Fläche von 852 ha, davon 335 ha Wald und dementsprechend einen grossen Anteil an Wiesen, welche unterschiedlich genutzt werden (Fettwiesen, Ökoheu- und Magerwiesen, Weiden). Bis auf ein kleines Areal auf der Jura-Südseite liegt das Revier nördlich des Jura-Hauptkammes zwischen einer Höhenlage von 448 bis 912 m.ü.M. Neben Reh und Wildschwein, Gams, Feldhasen, Dachs und Fuchs, streift auch der Luchs durchs Revier. Zudem konnten vereinzeln Neozoen beobachtet werden, u.a. der Marderhund und den Waschbären. Auf das Vorkommen einiger Wildarten (hier aufgeführt nur Paarhufer, Hasenartige und Carnivora) wird im Folgenden im Zusammenhang mit dem Revier Kienberg nicht eingegangen (für weitergehende Einzelheiten zu den einzelnen Arten verweisen wir auf die breit verfügbaren Informationen auf dem Internet).

Reh (Capreolus capreolus):
Rehe sind m Revier eine verbreitete, kleine Hirschart, welches auch als unser Hauptjagdwild bezeichnet werden kann. Rehe lassen sich ganzjährig in der Dämmerung an Austrittsstellen auf Wiesen, Weiden und Äckern beobachten. Im Winter sind die Tiere manchmal auch nahe am Dorf Kienberg zu sehen. Die Rehböcke schieben ca. ab Dezember jedes Jahr ein kleines Geweih mit max. 6 Enden (selten mehr) an beiden Stangen, welches im März von der sog. Basthaut befreit wird (sog. Verfegen) und dann fertig ausgebildet ist. An diesem können die Böcke im Sommer und Herbst gut erkannt werden. Die weiblichen Rehe (Rehgeissen) gebären (setzen) ihren Nachwuchs im Zeitraum Anfangs Mai bis Mitte Juni. Die Kitze werden dabei in den ersten 2-3 Wochen abgelegt und folgen nicht der Mutter. Diese besucht ihren Nachwuchs nur wenige Male pro Tag, um die Kitze zu säugen. Kitze, welche in landwirtschaftlich genützten Wiesen abgelegt werden, laufen Gefahr, vermäht zu werden. Deshalb engagiert sich der Jagverein Kienberg stark in der Rehkitzrettung.

Rothirsch (Rotwild, Cervus elaphus):
Rothirsch (Rotwild, Cervus elaphus): Der Rothirsch, im 19. Jahrhundert in der Schweiz praktisch ausgerottet, verbreitete sich im 20. Jahrhundert wieder stark im Alpen- und Voralpenraum. Inzwischen erfolgt auch eine anhaltende Ausbreitung ins Mittelland und im Jura. Bedingt durch die Verbesserung der Durchgängigkeit der Wildtierkorridore ist mit einer weiteren Ausbreitung zu rechnen. Inzwischen wurden einzelne Hirsche in der Region (auch in angrenzenden Jagrevieren) bestätigt. Im Revier Kienberg liegen noch keine bestätigten Sichtungen vor, es ist jedoch damit zu rechnen, dass zumindest einzelne wandernde Junghirsche in den nächsten Jahren auftreten werden.

Gams (Rupricapra rupricapra):
Neben dem Alpenraum bietet auch der Jura mit seiner charakteristischen Mittelgebirgslandschaft Lebensraum für Gämse. Diese «Waldgämse» nutzen die felsigen Partien im bewaldeten Terrain als Rückzugsorte (Gams-typische Feindvermeidungsstrategie). Neben einzelnen wandernden männlichen Individuen (Gamsböcke) sind auch reproduzierende Geissen im Revier nachgewiesen. Das Gebiet im Bereich Burg – Räbechopf gilt dabei als Setzgebiet. Gamswild wird im Revier nur sehr zurückhaltend bejagt. Die Bestandsentwicklung wird im Rahmen eines Monitorings laufend beobachtet und die kantonal koordinierte Jagdplanung darauf abgestützt.

Wildschwein (Schwarzwild, Sus scrofa):
Der Wildschweinbestand unterliegt witterungsbedingt und auch abhängig von der Eichel- und Buchenmast starken Schwankungen. Grundsätzlich handelt es sich aber zumindest zeitweise um eine recht häufige Wildart, welche aber v.a. nachtaktiv ist. Da die Wildschweine erheblichen Schaden an landwirtschaftlichen Kulturen anrichten können, werden diese intensiv bejagt und sind das zweitwichtigste Jagdwild im Revier

Feldhase (Lepus europaeus):
Die Feldhasen sind v.a. im Mittelland durch die Intensivierung der Landwirtschaft stark unter Druck gekommen. Im Gebiet Hinteregg – Ramsfluh bis Schafmatt kommen Feldhasen noch recht zahlreich vor. Auch im Revier Kienberg lassen sich vereinzelt Feldhasen beobachten. Feldhasen zählen im Kanton Solothurn zu den jagdbaren Wildarten, wir verzichten aber auf eine Bejagung, um die Bestände nicht weiter unter Druck zu bringen.

Wildkatze (felis sylvestris):
Die grauen, getigerten Katzen sehen unseren Hauskatzentigern (Felis catus) sehr ähnlich, können aber aufgrund der verwaschenen Fellzeichnung und den Streifen auf den Schultern unterschieden werden. Ein prominentes Merkmal ist auch der etwas dickere Schwanz mit schwarzem Schwanzende und den durchgehenden Ringen. Haus- und Wildkatzen können sich fortpflanzen, was zu Hybriden führt. Durch die kleineren Überlebenschancen der Hybride in freier Wildbahn scheinen sich aber von Frankreich her reinrassige Wildkatzen durchzusetzen. Im Nachbarrevier Erlinsbach-Ramsfluh wurde vor einiger Zeit der erste genetische Nachweis einer zumindest mütterlicherseits reinrassigen Wildkatze erbracht (mitochondriale DNA). Wildkatzen sind sehr scheue Tiere, können mit viel Glück auch im Revier Kienberg beobachtet werden.

Wolf (Canis lupus):
Neben dem Alpenraum haben sich auch im Waadtländer Jura und im angrenzenden Frankreich einzelne Wolfsrudel gebildet. Jungtiere auf der Suche nach neuen Revieren und Partnern, welche die Rudel verlassen, können erhebliche Strecken (bis zu 80 km pro Tag) zurücklegen. Somit ist es auch nicht erstaunlich, dass bei uns ab und zu einzelne, wandernde Wölfe nachgewiesen werden. Der erste Fotofallennachweis im Kanton Aargau erfolge im Nachbarrevier Erlinsbach-Ramsfluh. Leider sind in der Region auch vereinzelt Nutztierrisse (in den letzten Jahren in Zeglingen und Oberhof) zu verzeichnen. Einzelne Wölfe sind sehr scheue Tiere und Begegnungen mit Ihnen und aufgrund des nur sehr sporadischen Auftretens eher als Glücksfall zu betrachten.

Eurasischer Luchs (Lynx Lynx):
Aussehen: Hochbeinige Katze mit grauem bis rötlichem Fell, Unterseite heller. Hierzulande mit meist deutlichen schwarzen Flecken oder Rosetten, aber in anderen Regionen teilweise kaum gemustert. Rundlicher Kopf mit Ohrpinseln (4 cm) und Backenbart. Stummelschwanz (20–25 cm) mit schwarzer Spitze.
Grösse: Kopfrumpflänge 80–110 cm, Schulterhöhe 50–60 cm. Männchen grösser als Weibchen.
Gewicht: Adulte Männchen 20–26 kg, Weibchen 17–20 kg.
Lebenserwartung: bis zu 20 Jahren in freier Wildbahn

Fuchs (Rotfuchs, Vulpus vulpus)::
Füchse sind weit verbreitet im Revier und können zu allen Jahreszeiten v.a. in der Dämmerung und nachts beobachtet werden. Da Füchse auch Träger von Krankheiten sind, welche auf den Menschen (Zoonosen) oder Tiere (e.g. Staupe bei Hunden, Räude) übertragen werden können, und um den Prädationsdruck auf Bodenbrüter und auch auf Rehkitze zu verringern, werden Füchse bejagt. Allerdings ist eine Bestandsregulierung schwierig, da Füchse dies über die Reproduktion ausgleichen (kompensatorische Fertilität). Deshalb erfolgt die Bejagung v.a. punktuell, um lokal und kurzfristig Entlastung zu schaffen bzw. bei auftretenden Krankheitsfällen.

Goldschakal (Canis aureus):
Der Goldschakal gehört wie der Wolf und Fuchs zu den Vertretern der hundeartigen Raubtiere. Es handelt sich um ein Tier, welches grössenmässig zwischen Wolf und Fuchs steht und wie ein kleiner Wolf oder grosser Fuchs aussieht. Im Gegensatz zum Fuchs hat der Goldschakal keine Schwarzfärbung hinter den Ohren, der Rücken zeigt einen leicht gräulichen Farbeinschlag und der Schwanz wirkt kleiner im Verhältnis zum Körper. Er ist ein Zuwanderer aus dem Südosten (Kleinasien, Südosteuropa), gilt aber nicht als Neozoon, sondern als geschützte Tierart, da die Zuwanderung natürlich erfolgte (keine anthropogene Einschleppung). Vermutlich hat die vorübergehende Absenz des Wolfes dazu beigetragen, denn Wölfe sind scharfe Konkurrenten des Goldschakals. In der Schweiz erfolgen vermehrt Sichtungen. Unbestätigte Nachweise (Sichtungen) liegen auch in der Region vor. Es ist somit auch bei uns zumindest mit dem vereinzelten Auftreten dieser Art zu rechnen.

Europäischer Dachs (Meles meles):
Der Dachs ist die grösste bei uns auftretende Marderart. Im Revier kann er v.a. nachts und im Sommer auch noch in der Dämmerung gesichtet werden. Dabei lassen sich Dachse beim Umherstreifen und Absuchen auf Feldern gut beobachten – sie sind mehr Sammler als Jäger (Omnivoren) und können als Nahrungsopportunisten bezeichnet werden. Da Dachse an landwirtschaftlichen Kulturen erhebliche Schäden anrichtet können, werde diese bei uns bejagt. Die jagdliche Regulierung ist besser möglich als beim Fuchs, weil Dachspopulationen die Abgänge nicht so schnell kompensieren können.


Baum- und Steinmarder (Martes martes und Martes foina):
Während der Baummarder ein Kulturflüchter ist und bei uns v.a. im Wald vorkommt, ist der Steinmarder ein Kulturfolger.
Marder-Schäden an Fahrzeugen und Gebäuden werden dabei durch den Steinmarder verursacht. Bei unzumutbaren Schäden durch Steinmarder können Selbsthilfemassnahmen ergriffen werden, wobei die gesetzlichen Regelungen (Schonzeiten, Fangmethoden etc.) eingehalten werden müssen. Jedenfalls sind mit unserer Jagdaufsicht solche Massnahmen abzusprechen. Wir unterstützen auch gerne durch Beratung und ggf. Einfangen von «Problemmardern».

Iltis (Mustela putoris), Hermelin (Mustela ermenea) und Mauswiesel (Mustela nivalis):
Iltis, Hermelin und Mauswiesel gehören zu den kleinen Marderarten. Einzelne Sichtungen in der Region bestätgen das Vorhandensein von Iltis und Hermelin. Die Arten bevorzugen offene, strukturreiche Heckenlandschaften. Während der Iltis v.a. nachtaktiv ist, können mit viel Glück Hermeline auch tagsüber gesichtet werden.

Der Marderhund (Nyctereutes procyonoides), auch Waschbärhund, Tanuki oder Enok, seltener Obstfuchs genannt, ist eine Art aus der Familie der Hunde. Der Marderhund, ursprünglich in fernöstlichen Gebieten Asiens verbreitet, ist mittlerweile ein Neozoon in weiten Teilen Europas.
